Konzept

Die Gründungsgruppe besteht aus vier Menschen, wir freuen uns auf Mitstreiter_Innen. Wir haben den Hauskauf auf den Weg gebracht und freuen uns nun mit vielen Menschen gemeinsam das Konzept weiterzuentwickeln und das Haus des Wandels zu beleben.

Konzept für das Haus im Park in Heinersdorf: Seminar- und Kulturhaus „Haus des Wandels“

Stand 30. Mai 2018

Inhalte

  1. Grundidee
  2. Ökonomische Basis
  3. Strukturen
  4. Nutzungskonzept
  5. Umbau
  6. Wer wir sind

 

1. Grundidee

Das „Haus des Wandels“ ist ein Projekt, das von Künstler*innen, politischen Aktivist*innen, Wandelberater*innen und Forschenden ins Leben gerufen wurde und derzeit am Anfang seiner Entwicklung steht. Wir wollen einen Ort zum Arbeiten, Leben und Dasein schaffen, an dem sinnstiftende und zukunftsfähige Formen des Tätigseins erprobt werden. Das Haus soll als Brücke zwischen Stadt und Land dienen und gleichzeitig unterschiedlichste gesellschaftliche Bereiche zusammenführen. Ein wesentlicher Beitrag wird in der Durchführung von Seminaren und Tagungen im Bereich transformative Bildung bestehen. Ein zweiter Schwerpunkt sind Kulturprojekte: Proben von Theaterstücken und Kammermusik sowie Workshops in den Bereichen Musik, Theater, Theaterpädagogik, Tanz, bildende Kunst und Mediengestaltung. Arbeit von und mit Kindern und Jugendlichen wird dabei ebenso eine wichtige Rolle spielen, wie das gemeinsame Wirken mit älteren Menschen. Zu der Kulturarbeit gehören auch die Einrichtung einer kleinen Bibliothek der Zukunft, ein Kulturcafé, Ausstellungen, Lesungen sowie Theater- und Musikaufführungen. Die dritte Säule bilden Handwerk und Ateliers für bildende Künstler und kollektive Handwerkszusammenhänge. Geplant ist der Aufbau offener Werkstätten (Holz, Metall, digitale Fertigungsverfahren). Die Werkstätten können z.T. auch von bildenden Künstlern und für den Bühnenbau genutzt werden. Das Haus soll dabei offen sein für Impulse, Initiativen und Begegnungen von und mit Einwohnern aus Heinersdorf, Steinhöfel und der gesamten Region. Mit ihnen gemeinsam möchten wir das Haus gestalten und beleben.

Das Haus des Wandels soll sich in Gemeineigentum befinden und gemeinnützig arbeiten. Es wird getragen von einem Verein und steht als Commons interessierten Nutzer*innen nach Absprache zur Verfügung. Mindestens ein Teil des Gebäudes bleibt der Teilöffentlichkeit und insbesondere den Anwohner*innen der Region regelmäßig zugänglich. Das Haus in seiner Geschichte und als Begegnungsstätte sollen wertgeschätzt, aufbereitet und erhalten bleiben.

Der Sommer/Herbst 2018 dient als Erprobungsphase für die Nutzung und Gestaltung des Hauses und offene Zukunftswerkstätten für die Weiterentwicklung des Nutzungskonzepts. Ab Herbst 2018 soll eine größere feste Gruppe Weiterentwicklung und Betrieb des Hauses tragen. Dabei wird eine möglichst schlanke und egalitäre Organisationsstruktur angestrebt.

2. Ökonomische Basis

Den Kaufpreis haben wir über Direktkredite, das heißt persönliche Darlehen sowohl aus der Gründungsgruppe, als auch von externen Unterstützer*innen, abgedeckt. Das Modell der Direktkredite ist eines, das unter anderem in fast 100 Projekten des Mietshäuser Syndikat seit vielen Jahren die gemeinschaftliche Finanzierung vieler nachhaltiger Wohn-, Lebens- und Kultur-Projekte ermöglicht hat. (Mehr: https://www.syndikat.org/de/)

Perspektivisch streben wir eine Kombination verschiedener ökonomischer Säulen an, die das Projekt tragen. Die wirtschaftliche Diversität ist ein wichtiger Faktor für Resilienz, also für die Fähigkeit, Veränderungen des ökonomischen Umfelds abzufedern – ähnlich wie ein Ökosystem durch Vielfalt widerstandsfähiger wird. Es geht nicht um Selbstversorgung oder Autarkie sondern um eine kluge Mischung von Wirtschaftsformen, die den Beteiligten soviel Raum für Ihre Entfaltung wie möglich geben.

Ein Teil der Arbeit im Projekt kann der Eigenversorgung der Beteiligten dienen – z.B. in den Bereichen Handwerk, Gärtnerei und Bildung – ein anderer Teil dem Austausch in größeren Netzwerken solidarischer Ökonomie sowie der Produktion für den Markt. Eine weitere Säule sind öffentliche Finanzierungen, etwa in den Bereichen Bildung und Kultur, sowie Förderungen von zukunftsweisenden Pilotprojekten. Ein Förderverein soll darüber hinaus eine kontinuierliche Unterstützung sicherstellen. Die Verbindung verschiedener Arbeitsbereiche eröffnet sowohl finanziell als auch personell eine größere Flexibilität: Einkommensstarke Bereiche etwa können dabei helfen, einkommensschwächere zu unterstützen. Als Rechtsformen kommen Genossenschaft, gemeinnützige GmbH, Verein, Stiftung oder eine Kombination verschiedener Formen infrage, wobei Grundstück und Haus selbst entprivatisiert, vom Immobilienmarkt entkoppelt und als Gemeingut gesichert werden.

Die Vielfalt der ökonomischen Elemente schafft nicht nur Resilienz, sondern verbindet das Projekt auch mit der Außenwelt. Es geht darum, in die übrige Gesellschaft verändernd hineinzuwirken und umgekehrt von ihr zu lernen.

Das „Haus des Wandels“ will einer Pluralität von Lebens- und Arbeitsweisen Raum geben. Es soll sowohl möglich sein, vor Ort dauerhaft oder teilweise zu wohnen – sei es in einer Gemeinschaft oder in kleineren Einheiten – als auch außerhalb zu leben.

3. Strukturen

Träger der Aktivitäten im „Haus des Wandels“ ist ein Verein i.Gr. Geplant ist, dass sich unter dem Dach des Hauses mehrere Rechtsformen entwickeln können (Genossenschaften, GbRs, Zweckbetriebe des Vereins), die alle einer gemeinwohlorientierten Wirtschaftsweise verpflichtet sind. Das Projekt umfasst so verschiedene eigenständige wirtschaftliche Elemente, die in Kooperation miteinander eigenverantwortlich geführt werden.

Für den Kauf des Hauses wird ein Verein gegründet, der das Haus besitzt. Zu späterer Zeit wird ein weiterer gemeinnütziger Verein für die Projekttätigkeiten gegründet, der kaufende Verein „Haus des Wandels“ bleibt in seiner Struktur so behalten, dass der Wiederverkauf des Hauses ausgeschlossen wird. Die Kaufsumme wird privat erbracht. Die Finanzierung weiterer Investitionskosten im Laufe der ersten Jahre erfolgt über Nachrangdarlehen (sog. private „Direktkredite“), Förderung und Bankdarlehen. Die Finanzierung der laufenden Aufwendungen erfolgt durch Mieteinnahmen von den Bewohner*innen und Nutzer*innen. Die Nutzungs- bzw. Mietverträge sind dabei von den sog. Direktkreditverträgen getrennt, d.h., dass Personen ohne Eigenkapital Nutzer*innen werden können, und Dritte können investieren.

Damit wird das Haus dauerhaft für eine gemeinnützige Nutzung erhalten und private Spekulation wird verhindert.

Die interne Organisationsstruktur der am Haus beteiligten ist noch offen, und das Finden geeigneter Formen Teil des Suchprozesses, wie Wandel aussehen kann. Die Expertise der Gründungsgruppe in Gruppenprozess-Begleitung kommt dem Projekt in allen Projektschritten zugute.

4. Mögliche Nutzung des Hauses / Projektteile

Bildungsarbeit/Seminarhaus

  • Multifunktionale Seminarräume für kleine Tagungen, Seminare, regelmäßige Veranstaltungen, Gruppentreffen etc. (EG links, 1.OG rechts)
  • Übernachtungsmöglichkeiten für Gäste (Gästezimmer 1. und 2. OG rechts)
  • Regelmäßige Bildungsangebote in Zusammenarbeit mit Trägern aus umweltpolitischen, entwicklungspolitischen u.ä. VerbändenTreffpunkt/Offenes Haus
  • Einrichtung einer Bibliothek der Zukunft. Schwerpunkt der Bibliothek ist Literatur zum Thema ökologische Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit. (EG links)
  • Treff-, Café-, Bar-Raum für Diskussionen, Musik, Lesungen, Treffen (1.OG rechts), auch nutzbar nach Absprache für Vereine/Initiativen aus der Region
  • Offenes Café für alle im Saal/auf der Terrasse an jedem 4. Sonntag im Monat
  • Wiederherstellung der Großküche und Möglichkeit, für Gäste, Bewohner*innen und Café zu kochenKultur
  • Theatersaal: Aufführung eigener Arbeiten, Einladen von fremden Gruppen, Vermietung des Theatersaals für Veranstaltungen von Heinersdorfer Vereinen/Initiativen
  • Einrichtung von zwei dauerhaften Proberäumen: Tanzsaal und akustisch optimierter Raum (EG links)
  • Nutzung der Proberäume als Tanz-/Yogasaal etc. mit Kursen, geöffnet für Menschen aus der Region
  • ca. 10 Gästezimmer (1.OG) für die mehrwöchige Nutzung von Ensembles während Probezeiten
  • Theaterpädagogische Arbeit mit Gruppen aus dem Rüstzeithaus Heinersdorf und von örtlichen Schulen/Kitas etc.Werkstätten/OTELO
  • Selbsthilfe-Reparatur-Werkstatt (nach Art des Repair Cafés), regelmäßig geöffnet für alle Menschen aus der Region (EG links)
  • Kurse mit (externen) Referent*innen zu bestimmten Themen (Möbel reparieren, Insektenhotels bauen etc.), auch über mehrere Tage mit Unterbringung
  • Werkzeuge für Handwerken (Holz, Metall, Elekto usw.) – Errichtung einer Holz- und einer Metallwerkstatt (in den Garagen/Hof), nach Anmeldung für Menschen aus der Region geöffnet, außerdem Ausleihmöglichkeit für Geräte
  • Näh-Werkstatt (EG links), regelmäßig geöffnet für alle Menschen aus der Region, evtl. mit Kursen
  • Errichtung eines OTELOs (Offenes Technologie Labor in ländlichen Räumen), das mit High-Tech-Geräten ausgestattet ist und als Gründungskeimzelle für technische Projekte und kleine Unternehmen dienen kann; Zusammenarbeit mit regionalen Berufsschulen; geöffnet für Nutzer*innen aus der Region

Garten

  • großer Gemüsegarten für die Bewohner*innen; Entsiegelung großer Teile der betonierten Flächen links vom Haus/vor den Garagen
  • Pflanzen zusätzlicher Obstbäume und Sträucher
  • Falls rechtlich möglich: Kleintierhaltung (Hühner, Kaninchen …)
  • Bienen und Imkerei
  • Wirtschaften nach Permakultur-Leitlinien
  • Kooperation mit dem interkultureller Garten des Rüstzeithauses

Wissenschaft/NGO-Arbeit

  • Einrichtung mehrerer Büroräume (EG rechts)
  • Selbstverwaltung des Projekts
  • Ansiedlung eines mit öffentlichen Mitteln geförderten (internationalen) Bildungs- und Forschungsprojekts zu sozial-ökologischen Transformationspotentialen im ländlichen Raum in strukturschwachen Regionen

Wohnen

  • Ausbau eines Hausflügels zum Wohnflügel für dauerhaft am Projekt beteiligte Menschen (linker Flügel, 1. und 2. Stock, nicht das EG)
  • evtl. bei Bedarf Abteilung mehrerer Räume in größere und kleinere Wohnungen, die als eigenständige Haushalte funktionieren
  • Mischung aus dauerhaft dort wohnenden Menschen (ca. 5-10 Erwachsene + evtl. Kinder) und Wochend-Pendlern aus dem Berliner Raum (ca. 15 Zimmer; etwa 10-20 Erwachsene + evtl. Kinder)
  • Weiternutzung des rechten Flügels (1. und 2.Stock) als temporäre Unterkünfte für Seminargäste, Künstler*innen-Aufenthalte, kurzzeitige freiwillige Helfer*innen, BuFDis und FÖJler
  • Angedacht sind auch Möglichkeiten für halb- oder ganzjährige Stipendiaten bzw. „Artists in Residence“.

5. Nachhaltiger Umbau

Das Haus ist erstmal nutzbar, so wie es ist. Allerdings ist es sinnvoll, eine behutsame nachhaltige Sanierung anzustreben. Ein Baustein wäre eine energetische Sanierung, die mit entsprechenden Fördermitteln geplant werden kann. Die Zentralheizung, momentan mit Stadtgas, könnte auf eine Holzpellet-Heizung umgerüstet werden. Die baufälligen Fenster könnten zunächst wo es geht erhalten und später durch selbst gebaute neue Fensterrahmen ersetzt werden. Umbauten erfolgen nach Bedarf und unter Mithilfe interessierter Helfer*innen in Bauwochenenden oder Bauferien. Ein nachhaltiger und ökologischer Umbau unter Einbezug und Erhalt der bestehenden Substanz und Geschichte des Hauses ist Teil des Grundverständnisses der Gründungsgruppe.

Die Hausfassade soll einen ansprechenden Anstrich erhalten.

Teil eines nachhaltigen Umbaus ist auch ein Mobilitätskonzept um zu den Regionalbahnhöfen in Trebnitz (12 km) oder Fürstenwalde (17 km) zu gelangen, von denen aus jeweils stündlich die Züge nach Berlin fahren. Perspektivisch könnte das über Elektro-Shuttle-Autos und Fahrräder gelöst werden.

6. Wer wir sind

Wir sind bislang ein kleiner Kreis von Menschen aus unterschiedlichen politischen, kulturellen, aktivistischen, umweltbewegten Zusammenhängen. Uns eint die Vision eines gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Wandels hin zu einem guten Leben für alle Menschen.

  • Maria Schmidt, diplomierte Kommunikationswirtin, Journalistin und Projektkoordinatorin im Bereich Bildung Nachhaltige Entwicklung, politische Bildung und Medienpädagogik u.a. mit dem gemeinnützigen Verein das kooperativ e.V. und der Wandelwoche Berlin-Brandenburg.
  • Julia Lemmle, Coach & Kommunikationstrainerin. Sie hat das „Rhetorik-Empowerment-Training für Frauen*(FLIT)“ entwickelt und unterrichtet die Entfaltung der eigenen Überzeugungskraft durch (innere) Klarheit und Präsenz – dafür integriert sie Theater & Körperübungen in ihre Workshops.
  • Andrea Vetter, Journalistin, Wissenschaftlerin und Aktivistin für eine Wirtschaft, die das Lebensnotwendige ins Zentrum stellt. Arbeitet für das Konzeptwerk Neue Ökonomie in Leipzig und die Zeitschrift Oya: enkeltauglich leben.
  • Joerg M. Hecker, Gesellschafter und Gründer der ENBiL Ingenieurgesellschaft Berlin mbH, einer internationalen Planungsgesellschaft für ökologisches und energieeffizientes Bauen. Langjähriger Dozent und zertifizierter Sachverständiger (BDSH) für Gebäudetechnik und Erneuerbare Energien.
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